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Der Tag an dem der Motor stillstand

  • Autorenbild: JoyFull
    JoyFull
  • 1. Juli 2024
  • 3 Min. Lesezeit

Bei ordentlichem Schwell und aufziehenden Gewittern, verlassen wir unseren Ankerplatz auf der Insel Giglio.


Die Insel ist bekannt für das Schiffsunglück der Costa Concordia, welches sich 2012 vor dem Hafen der Insel abspielte und 32 Menschen das Leben kostete.


Überrascht vom schnell näher kommenden Unwetter entscheiden wir uns in Richtung Hafen zu steuern. Es herrscht bereits ordentliche See, gefolgt von Blitzen und Regen.

Nach Anderthalbstunden schaffen wir es den Hafen zu erreichen.

Ziel der heutigen Reise ist die Marina Riva di Traiano in der nähe von Rom.

Nach zwei Stunden im Hafen von Giglio ist das Unwetter vorbei und wir verlassen die Insel bei Windstille.

Unser alter Schwede, der Volvo Penta Md21, hat ordentlich zu arbeiten, denn es liegen 45 Seemeilen vor uns.

Auf halber Strecke fallen die Drehzahlen des Motors immer weiter zusammen und der Motor läuft ohne Kraft.  Wir versuchen dem Motor eine Pause zu gönnen und setzen Segel. Bei achterlichen Winden von nur maximal sieben Knoten, machen wir jedoch kaum fahrt und die Segel schlagen ordentlich. Also muss der Diesel wieder ran. Leider hat der Motor noch immer keine Leistung.

Wir vermuten verstopfte Dieselfilter.

Da wir Reserve an Bord haben, entscheiden wir uns diese zu wechseln und das System daraufhin zu entlüften.

Die Filter sind rasch gewechselt, jedoch lässt sich das System nicht erfolgreich entlüften und der Motor läuft noch immer nicht rund. Beim dritten Versuch, läuft der Motor wieder einigermassen, nimmt jedoch noch immer kein Gas an und dann bricht auch noch eine der drei Entlüftungsschrauben an der Einspritzpumpe ab. Somit besteht keine Chance den Motor auf See wieder in Gang zu bringen. Mittlerweile ist es 17:00 Uhr geworden und noch immer 20 Seemeilen bis zum Hafen. Erneut setzen wir die Segel und müssen leider feststellen, dass wir noch immer mit nur 2.5 Knoten in Richtung Land segeln.

Durch ein Telefonat mit dem Kontrollturm des Hafens, gelingt es uns eine Nummer des Abschleppdienstes zu erhalten.

Unglaubliche 11’000.- Euro ist der Preis für diese Dienstleistung!

Ohne lange zu überlegen, entscheiden wir weiter zu Segeln, in der Hoffnung noch bis 22:00 Uhr den Hafen zu erreichen, denn so lange bietet dieser Anlegehilfe.

Wie durch ein Wunder fangen wir das AIS Signal eines anderen Segelschiffes ab, welches in die selbe Richtung steuert. Das Schiff mit Namen Wave, antwortet rasch auf unseren Funkspruch und nach etwa einer Stunde trifft es bei uns ein.

Einer Bavaria Cruiser 45 unter italienischer Flagge. Unsere Situation ist schnell erklärt und auch verstanden. Der Skipper des fremden Schiffes bietet uns sofort seine Hilfe an und nimmt uns ins Schlepptau.

Währenddessen gelingt es uns, im Hafen eine Anlegehilfe zu organisieren, welche auch nach 22:00 Uhr zur Hilfe eilt.

So zieht uns unser Retter über eine Strecke von 20 Seemeilen bis vor den Hafen von Traiano.

Der Wind hat unterdessen eine Stärke von 15 Knoten erreicht und auch der Seegang ist nicht zu unterschätzen.

Mit Vollgas schiessen zwei Schlauchboote auf uns zu und übernehmen kurzerhand die Abschlepphilfe. Ein Schlauchboot zieht uns in den Hafen und wies uns bei der nun schon eingebrochenen Nacht den Weg. Um im Hafen dann Manövrieren zu können, kommt das zweite Boot zur Hilfe. Ohne Zwischenfälle und absolut professionell liegen wir schnurstracks fest vertäut an einem Hafenplatz.


So kamen wir nach 14 Stunden unversehrt, müde aber erleichtert in unserem Zielhafen an.

Wir konnten uns zum Glück noch bei unserem Retter bedanken, denn dieser verbrachte gezwungener Massen nun auch eine Nacht in Traiano.


Nun gilt es für uns eine Möglichkeit zu finden den Motor auszutauschen, denn eine Reparatur lohnt sich nicht mehr. Wir hoffen bald neues berichten zu können und bereiten uns für einen längeren Aufenthalt am Italienischen Festland vor.


Autor: Silvan und Manuela



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Bis bald

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